Seit
der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien
kollapsierte hier schon das Fußballfieber.
Zwei
Monate zählte nur eines im Leben, Fußball! Platz 1 der
Small-Talks, kein anderes Thema mehr, in allen Medien wurde man von
24 Stunden lang von“nuestros heroés” (unseren Helden)
wortwörtlich zugeballert. Es herrschte ein totaler Ausnahmezustand,
wie ich ihn zuvor noch nie erlebt hatte!
Die
Chilenen sahen sich mit ihrem geliebtem Alexis schon als Weltmeister,
bevor die internationale Öffentlichkeit überhaupt mitbekommen
hatte, dass es sich bei Chiles “La Roja” dann überraschenderweise
wirklich um einen ernstzunehmenden Gegner handelte.
Also
das erste Jahr mit einer Chance auf den Titel!
Leider
war das Schicksal dann doch nicht so gnädig und Chile hatte ein
wenig Pech mit seiner Gruppe: Spanien, Holland, wenig Chance sich
gegen zwei dieser Mannschaften durchzusetzen.
Der
Plan war Holland zu eliminieren, und dann mit Spanien, dem (noch)
amtierendem Weltmeister die Gruppenphase zu gewinnen.
Das
brauchte Chile dann doch nicht nötig, weil sich schon beim ersten
Spiel von Holland und Spanien herraus stellte, das Spanien keine
allzu große Hürde wäre und der Jubel ging weiter!
Weil
Chile am Ende der Gruppenphase nicht mehr gegen Holland gewinnen
konnte und 2:0 verlor ging es dann auf das nächste Match zu. Gegen
Brasilien! Die Spannung war kaum noch auszuhalten, alles was sich ein
Chilene in dem Moment wünschte, war endlich einmal Geschichte zu
schreiben und Weltmeister zu werden.
Und
gegen die Gastgeber zu gewinnen war ohne Frage nicht einfach, aber
durchaus möglich.
So
saßen dann am... (einmal im Leben pünktlich) um... Uhr … Chilenen
nach einem riesigem Chaos und Überfüllung in den öffentlichen
Verkehrsmitteln mit ihren Familien vor dem Fernseher, bei Public
Viewings auf riesigen Leinwänden oder guckten es in den Malls auf
den Flachbildfernsehern der Geschäfte.
Überall
hörte man den Schlachtruf: “Chi-chi-chi le-lele Viva Chile!”
Dann
fing das Spiel an. Mit Rufen die in der ganzen Metropolregion von
Santiago zu hören waren, feierten die Chilenen ihre Mannschaft an.
Doch
es half nicht- die Rufe kamen nicht bis nach Brasilien und 90 Minuten
kam außer Fehlpässen und Fouls beider Mannschaften rein gar nichts.
Die Verlängerung auch nicht. Und dann kam das große
Elfmeterschießen! Brasilien hatte einen Elfmeter mehr getroffen, als
Pinilla das Spiel wieder ausgleichen sollte. Ganz Chile war mit ihm
am Zittern, es war unerträglich, er nahm Anlauf und schoss. Es kam
einem wie Zeitlupe vor, bis der Ball dann aber leider nur die Latte
traf und nicht das Tor.
Eine
Sekunde stille!
Und
die Tränen fingen an zu fließen, der Traum hatte sich ausgeträumt,
Chile würde nicht Weltmeister werden, das war die Realität. Es
würde mit den Sieg der Herzen und der bestgesungenen Nationalhymne
bleiben.
Ein
paar Tage danach kam die „Roja“ dann wieder nach Santiago zurück
und wurde unter großem Jubel im Präsidentenpalast empfangen, auch
wenn sie nicht gewonnen hatten, wurden sie als Helden empfangen!
Dann
kam aber wieder ein spannendes Spiel für die fleißig
fußballguckenden Chilenen, Brasilien gegen Kolumbien, die Stimmung
war klar: Brasilien sollte nicht gewinnen, die Mannschaft hätte es
nicht verdient. „Brasil no se lo mereciera.“
Dieser
Wunsch wurde aber dann doch nicht erfüllt, eine Runde weiter, dieses
Mal gegen die Deutschen...
Den
Chilenen war auch klar, dass Deutschland gewinnen würde:“Quizás
0:2 o 0:1“.
Doch
was dann passierte, hatte niemand vorhergesehen.
In
meiner Klasse habe ich sechs Brasilianer, die von einem
Förderprogramm ein Halb-Jahresstipendium bekommen haben!
Vor
dem Spiel erhielt ich einige Sprachnachrichten von ihnen und ihren
Freunden, dass wir Deutschen Loser, Nazis, Verlierer und generell
Arschlöcher waren, was ich dann besser ignorierte...
Ich
ging zu einer Klassenkameradin um das Spiel mit ihr und ihrer Familie
zu schauen und auf dem Weg gab es natürlich nur ein einziges
Gesprächsthema und einige fragten mich sogar, ob ich Deutsche wäre.
Dann
fing das Spiel endlich an! Und nach kurzer Zeit gab es ein Tor von:
Deutschland!!! Und gerade las man auf Facebook die ersten Posts, kam
auch schon das nächste Tor. Und noch eins, bis es dann 5 waren und
die erste Halbzeit zu Ende war.
Die
Emotionen waren unglaublich, nicht nur meine! Die sozialen Netzwerke
wurden überrannt von Kommentaren! Und die Brasilianer schickte keine
Sprachnachrichten mehr.
Die
nächste Halbzeit kam, und endete unter lautem Jubeln unsererseits
und der Nachbarn 7:1.
Deutschland
hatte das unmögliche möglich gemacht, in einem Halbfinale gegen den
fünffachen Weltmeister Brasilien mit einer Differenz von 6 Toren
gewonnen.
Die
Chilenen fühlten sich gerächt!